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Krumpenschloss

Seltsame Wälle oberhalb der Breg


Über seine Bewohner sind keine Dokumente erhalten geblieben, auch über die Erbauer gibt es keinerlei Hinweise. Dennoch beflügelt die riesige Anlage auf einem Felssporn oberhalb des Bregtales unweit des Fischerhofes immer wieder die Menschen. Weil es offenbar keine Erklärung für die eigenartigen Wälle gab, verliehen sie den Resten des früher wohl riesigen Bauwerkes den Namen „Krumpenschloss“.

Nur etwa zwei Kilometer südöstlich der Ruine Neufürstenberg, das auf einem strategischen Felsvorsprung am Eingang der alten Querverbindung von Villingen Richtung Breisgau liegt, ist in Karten die einstige Festung „Altfürstenberg“ eingetragen.

Vor Ort präsentieren sich die Reste der vermeintlichen Burg mit erstaunlichen Maßen: Die ovale Anlage breitet sich von der östlichen Abbruchkante nach Westen hin auf einer Länge von etwa 150 Metern aus, die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt immerhin noch rund 80 Meter. In Verbindung mit der Gewannbezeichnung „Schlossberg“ lässt sich eine gewaltige Bedeutung ableiten, die das „Krumpenschloss“ einmal in grauer Vorzeit gehabt haben könnte.

Die Archäologin Dr. Verena Nübling des Landesdenkmalamtes in Freiburg hat Mitte August 2002 dem Bürgermeisteramt Vöhrenbach alle Erkenntnisse über „Altfürstenberg“ zusammengestellt. Was die Wissenschaftler erforschten, hat ganz und gar nichts mit einer glanzvollen Schlossanlage zu tun. Nicht einmal die Überreste einer mittelalterlichen Burg waren zu finden. „Eine Burg Altfürstenberg wird in den Urkunden und Akten nie erwähnt und hat nie bestanden“, heißt es in einem Beitrag des „Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar“, den das Freiburger Landesdenkmalamt ebenso zur Erforschung heranzog wie die Diplomarbeit (1991) zweier Studenten der Fachhochschule für Technik in Stuttgart, Thomas Maya ujnd Bernd Volzer, sowie historischer Beschreibungen. Sie befassten sich erstmals intensiv mit dem „Krumpenschloss“.

Weshalb die Archäologen bislang kein allzu großes Interesse an der Befestigungsanlage im oberen Bregtal hatten, könnte einerseits mit den ziemlich unspektakulären Erdhaufen zusammenhängen, andererseits am Fehlen irgend eines schriftlichen Dokuments liegen. Die älteste Darstellung des „Krumpenschlosses“ taucht im Jahr 1620 in der „Mappa der Landgrafschaft Baar“ auf und ist heute im „Fürstlich Fürstenbergischen Archiv“ in Donaueschingen aufbewahrt. Zu sehen ist allerdings nur schwach die mit „Altfürstenberg“ bezeichnete Walldarstellung. Die erste urkundliche Erwähnung stammt von einem Chronisten namens C. F. Döpser; dieser hat sich im „Heumonath“ (Juni) des Jahres 1782 selbsten auf den Schwarzwald begeben, um dieses Alte Fürstenberg aufzusuchen, und seine etwa vorfindenden Überbleibsel in einen ohngefähren Entwurf zu bringen.“

Er fand auf der oberen Spitze des auch heute noch als Schlossberg bezeichneten und „bey dem Bauern Hof zum Grumpen genannten gegen Abend gelegenen steilen Berg zwar keine Spur von Mauern mehr, hingegen in der darauf befindlichen Waldung in einem zirckelförmigen Bezirk von 7 bis 800 Schritt ein Bollwerk, das aus einer ungeheuren Menge aufeinander gethürmter Steine bestehet.“ In seiner Zeichnung ist auch das zur damaligen Zeit noch bestehende Herrenhaus des Krumpenhofes mit der kleinen Kapelle dargestellt. Heute existiert als „Krumpenhof“ nur noch das ehemalige Gesindehaus, und im nahegelegenen „Fischerhof“ ist ein Pflegeheim untergebracht.

Die Forscher kamen nun auch zu dem Schluss: „Eine Burg Altfürstenberg wird in den Urkunden und Akten nie erwähnt und hat nie bestanden; vielmehr hieß die Befestigung auf dem Schlossberge im Munde der Umwohner früher wohl nur „das alte Schloss“ und hierfür mag, da die Burg Neufürstenberg bei Hammereisenbach nur eine halbe Stunde (zu Fuß) entfernt liegt, im Gegensatz zu dieser wohl auch die Bezeichnung Altfürstenberg gebraucht worden sein.“

Dabei war im 18. Jahrhundert noch vermutet worden, das Bollwerk sei „wahrscheinlich von den Einwohnern des Schwarzwaldes in vorigen Kriegsunruhen aus den Ruinen des Schlosses Alten Fürstenberg theils zur Sicherheit ihrer geflüchteten Habschaften, und theils zur feindlichen Gegenwehr aufgeführet“ worden.

War schon die Bezeichnung „Altfürstenberg“ ein Irrtum, so war es beim Namen „Krumpenschloss“ nicht anders. Diese Bezeichnung tauchte erstmals im Jahr 1885 auf und steht wohl direkt in Verbindung mit dem Krumpenhof, auf dessen Areal die Wehranlage liegt.

Die Freiburger Archäologin war mehrfach beim Krumpenschloss. Laut ihrem Eintrag in die „Liste der archäologischen Kulturdenkmale“, wonach die Anlage vor jeglichem Eingriff unter Schutz gestellt ist, handelt es sich um einen ovalen Ringwall von 100 Meter Länge und 60 Meter Breite aus „vorgeschichtlicher“ Zeit. Eine Datierung sei nicht möglich. Der an seinem West-Ende „sehr gut erhaltende“ Steinwall ist auf mindestens drei Meter Höhe angeschüttet und besteht offenbar aus Buntsandsteinen.

Möglicherweise wurde in unmittelbarere Nähe zum Krumpenschloss sogar Bergbau betrieben. Im stark geneigten nordwestlichen Hangabschnitt fanden Forscher eine ganze Anzahl von Gruben, die eine schwach linienhafte Anordnung besitzen. Die Wissenschaftler interpretieren sie als „Pingen“. Bekannt ist ja der mittelalterliche Tageerzabbau im nahen Hammereisenbach.

Obschon die Anlage die Jahrhunderte größtenteils unbeschadet überdauerte, scheint die heutige Waldnutzung der Wehranlage zuzusetzen. So durchschneidet ein Holzabfuhrweg gleich an zwei Stellen den nördlichen Ringwall der Befestigungsanlage, der in diesem Bereich „recht stark zerstört“ wurde. Außerdem wurden Baumstämme zum Abtransport über die Wallkrone auf die Wege gezogen und haben somit etliche Zerstörungen angerichtet.