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Orchestrion

Geschichte der Produktion mechanischer Musikinstrumente in Vöhrenbach

Von der Geschichte des Orchestrionbaus in Vöhrenbach zeugt neben den noch erhaltenen Fabrikationsgebäuden der verschiedenen Musikautomatenhersteller, auch ein im Haus der Heimatgilde aufgestellter Automat der Vöhrenbacher Firma Imhof & Mukle. Durch gesammelte Spenden in beachtlicher Höhe konnte ihn der Verein Heimatgilde Frohsinn e. V. Vöhrenbach erwerben. Ferner kann ein interessantes Exemplar aus der Produktion dieser Firma im Technik-Museum Speyer bewundert werden: Das Museum erwarb auf einer Londoner Auktion 2002 ein Instrument von 1861 im Originalzustand, zusammen mit wohl ebenfalls aus Vöhrenbach stammenden 27 bestifteten Musikwalzen. Auch andere Museen zeigen Exponate von Imhof & Mukle, so das Bruchsaler Landesmuseum einen Automaten aus dem Besitz von Queen Victoria. Überdies besitzt die „Heimatgilde“ ein Walzenklavier dieser Firma.


Daniel Imhof wurde 1825 in Unterspitzenbach geboren. Nach der Schule lernte er beim Musikwerkebauer Anton Siedle in Neukirch. Im Zusammenhang mit den Ereignissen der Badischen Revolution von 1848 / 1849 wanderte er dann nach London aus. Dort gründete Imhof eine eigene kleine Spieluhren- und Musikwerkefirma. Diese prosperierte, und so trat 1855 Leopold Mukle aus Furtwangen als Compagnon in die nun mit Imhof & Mukle zeichnende Firma ein.

Nach Gründung des Zweiten Deutschen Kaiserreiches 1871 zog es Daniel Imhof aber wieder zurück in die Heimat, die sich in der so genannten Gründerzeit als wirtschaftlich durchaus interessant darstellte. Damals hatte sich die in Vöhrenbach ansässige Orchestrionbaufirma Welte zum Umzug nach Freiburg im Breisgau entschlossen. Über einen Strohmann kaufte Imhof 1874 für die eigene Produktion deren Werkstätte auf, sein Geschäftspartner Mukle blieb in London und betrieb dort die gemeinsame Firma weiter. In den nachfolgenden Jahren erwarb sich die Niederlassung in Vöhrenbach einen international gut angesehenen Ruf: Instrumente für den Sultan in Istanbul-Konstantinopel und den Jockey-Club New York (10,50 m auf 5,30 m !), für den König von Italien und das Londoner Opernhaus Covent Garden, kamen aus dieser Fabrik. Im Jahre 1898 gab Imhof altershalber die Unternehmensleitung ab, zog wieder nach London und starb dort anno 1900. Seine Söhne Alfred und Charles führten die Londoner Niederlassung fort. Ein anderer Sohn sowie ein Cousin führten das Vöhrenbacher Unternehmen. 1930, in wirtschaftlich schwieriger Zeit und im Zuge der Verbreitung von Grammophon und Radio, auf die nicht rechtzeitig reagiert worden war, kam 1929 das Ende der lange Zeit sehr renommierten Firma. Die Familie aber machte zumindest im Bereich der Musik weiterhin von sich reden: Albert Imhof fungierte von 1931 bis 1936 als Dirigent der Stadtkapelle, es gab ein Imhof-Streichorchester und Albert Karl Imhof, der am Leipziger Konservatorium studiert hatte, wurde bekannt als „Genie auf dem Klavier“.


Die andere, mit Vöhrenbach verbundene Musikautomatenfabrik, ist die schon erwähnte Firma Welte. Der 1807 in Vöhrenbach geborene Michael Welte lernte, wie auch einige andere junge Vöhrenbacher, bei dem damals bekannten Musikwerkebauer Jakob Blessing in Unterkirnach. 1832 kam Welte nach Vöhrenbach zurück, um hier eine eigene Firma zu gründen, die sich mit der Herstellung von Flötenuhren und Musikwerken befasste. Eines dieser Frühwerke kann im Elztal-Museum Waldkirch besichtigt werden. Die Geschäfte liefen offensichtlich gut, unter anderem kam ein Auftrag aus dem russischen Seebad Odessa über ein Instrument, das alle bekannten Orchesterstimmen umfassen sollte und dessen Ausmaß alles bislang Vorhandene sprengte. Das Projekt zwang Welte, seine Werkstatt eigens dafür räumlich zu erweitern. Der Bau dieses Instrumentes dauerte drei Jahre. Ein weiteres Glanzstück der Welte-Produktion ist das für das Karlsruher Residenzschloss gefertigte Orchestrion „Großherzog Friedrich“, das auf der Weltausstellung 1862 in London gezeigt wurde. Die Firma konnte sich jedenfalls etablieren und allmählich immer mehr vergrößern. Von da an waren die Instrumente dieser Fabrik in allen großen Zentren Europas auf wichtigen Ausstellungen vertreten und beim internationalen Publikum gefragt. Dieser Aufschwung führte letztlich 1866 auch zur Gründung einer Firmenniederlassung in New York unter der Leitung von Michael Weltes Sohn Emil. Der Aufstieg in den Rang einer Weltfirma war gelungen. Jedoch 1872 siedelte die Firma aus Standortgründen von Vöhrenbach nach Freiburg über. Die Verkehrsanbindung im verhältnismäßig abgelegenen Vöhrenbach war für die nun bedeutend gewordene Fabrik Michael Welte & Söhne nicht mehr ausreichend. Im Jahre 1880 starb Michael Welte in Freiburg im Breisgau.

Sein Sohn Bertold Welte wurde später bekannt durch die Übernahme einer technischen Weiterentwicklung: Er stattete die Musikautomaten anstatt wie bisher für mechanischen Betrieb mit einer Walze, für pneumatischen Betrieb mit gelochten Papierrollen aus, den Vorläufern der Lochkarten und somit früher Rechnersysteme. Dieses moderne, in England erfundene System, setzte sich bald weltweit durch. Es erlaubte die Erfassung und Wiedergabe eines unbegrenzten Musik-Repertoires. Anfangs des 20. Jahrhunderts entwickelte Karl Bockisch, ein Enkel Michael Weltes, das Reproduktionsgerät „Welte-Mignon“, ein System, mit dem die individuelle Virtuosen-Interpretation von Klavierstücken aufgenommen und beliebig oft getreu wiedergegeben werden konnte, das berühmte „elektrische Klavier“ war geboren. Eine andere Entwicklung der Firma war die so genannte Philharmonieorgel. Mit der Wirtschaftskrise in den 1920er Jahren und infolge neuer Erfindungen auf dem Unterhaltungsgerätesektor aber, begann der Niedergang der Firma, der mit dem Zweiten Weltkrieg und der totalen Zerstörung der Freiburger Fabrikgebäude 1944 vollendet wurde.

Exponate aus der Produktion der Firma Welte können unter anderem heute im Augustiner-Museum in Freiburg und im dortigen Museum für Stadtgeschichte sowie im Schloss Bruchsal bewundert werden. In Bruchsal steht neben anderen Welte-Instrumenten auch die für das Unglücksschiff Titanic bestimmte Philharmonieorgel, die angeblich nicht rechtzeitig zur Abfahrt des Dampfers in England eintraf und somit erhalten blieb. Auch Seewen / CH, Musikautomatenmuseum, und Potsdam, Filmmuseum, Ladenburg, Orgelmuseum, und viele andere Orte, beherbergen heute Musikautomaten der Firma Welte.

Abschließend sei auch noch an weitere in Vöhrenbach tätige Musikuhrenhersteller erinnert. Der „Schwarzwälder Adreßkalender für das Jahr 1845“ führt Konstantin Blessing, Joseph Heine, Tobias Heizmann, Valentin Welte und natürlich auch Michael Welte an. Jedoch seien Sigmund Heizmann, Ludwig Ketterer, Reinhold Ketterer, Stephan Wellenberg, Constantin Blessing, Josef Heine und Franz Xaver Heine ebenfalls nicht vergessen.

Der Heimatgilde-Arbeitskreis „Stadtgeschichte“ erforscht die örtliche Historie und hält so unter anderem auch die Erinnerung an dieses spezielle Kapitel der hiesigen Handwerks- bzw. Industriegeschichte wach. Für Interessenten organisiert die Heimatgilde auf Anfrage Instrumentenvorführungen und zeigt bei einem Stadtrundgang die ehemaligen Fabrikationsgebäude.

Stadtarchiv Vöhrenbach

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